Mittwoch, 6. April 2011

Akwaaba, Obruni!

Das erste Mal in Afrika ist in der Tat eine im ersten Moment überwältigende Erfahrung. Jetzt weiß ich, was man unter einem Kulturschock versteht. Doch der Reihe nach.

Emirates: In der Tat keine schlechte Airline. Besonders das Entertainmentsystem kann schon was. Auch die Verpflegung ist gut. Zumindest, wenn man nach Dubai fliegt. Das Frühstück auf dem Flug nach Accra fiel dann doch etwas ab. Geht ja nur nach Afrika. An Bord: Neben zahlreichen Ghanaern vor allem Asiaten, hauptsächlich wohl Chinesen. Auch daran merkt man wohl die zunehmend wichtigere Rolle die China in Afrika spielt. Darüber hinaus bestätigt sich mal wieder: Ne Nacht am Flughafen verbringen zu müssen macht einfach keinen Spaß, egal wo auf der Welt.

Airport Accra Kotoka International: Nett, klein, mit einem wahnsinnig chaotischen Zoll. Akwaaba, Obruni, Willkommen weißer Mann! 

Pick-Up Service: Läuft, William heißt der nette junge Mann.

Gastfamilie: Läuft zumindest nicht so wie gedacht. „Mama Mina“ ist zwar eine wahnsinnig liebenswürdige Person und sehr herzlich, aber dass mir am Donnerstag ein Bett in einem kleinen, dunklen, engen Raum mit den Worten präsentiert wird, dass dies nun mein Schlafplatz sei und mir Kwame und William als meine neuen Brüder vorgestellt werden, mit denen ich mir nun das Zimmer teilen werde, war dann im ersten Moment doch zu viel für mich. Insbesondere, da mir noch die Ankündigungen im Ohr klangen, dass die Gastfamilien alle wohlhabende Beamte, Banker oder Kaufleute seien, ich natürlich mein eigenes Zimmer hätte und mir noch immer Bilder von marmor-gefliesten Bädern durch den Kopf spukten. Klar, muss nicht sein, auch auf Waschmaschine und Kühlschrank kann man für ein paar Monate mal verzichten, aber wenn man so gar nicht mit so viel „Authentizität“ gerechnet hat, ist das im ersten Moment erst einmal nicht so leicht zu verdauen. 
In diesem Haus im Souterrain wohne ich jetzt.
   


Inzwischen habe ich mein eigenes Zimmer, das durchaus in Ordnung ist. Da ich aber auch einen anderen „Compound“ (Ist praktisch eine Art Bungalow-WG) gesehen habe, der für einen ähnlichen Preis deutlich schöner, besser in Schuss und besser ausgestattet ist, bleibt halt doch noch ein ein wenig fader Beigeschmack ob des Preis-Leistungsverhältnisses.


Mal sehen, ob sich da noch ein wenig was machen lässt, entweder am Preis oder an der Leistung. Zumal ich mir ab Mai mit Steffi ein Zimmer teilen werde, das im aktuellen Zustand durchaus mal nen Eimer Farbe gebrauchen koennte.

Accra: Nach dem der erste Kulturschock einigermaßen überwunden ist, geht’s am Samstag und Sonntag dann auf Entdeckungstour. Die Stadt ist laut, heiß, stickig und dreckig. Also nichts Ungewöhnliches für ein Entwicklungsland in den Tropen. Durchaus nicht ungefährlich sind dabei insbesondere die offenen Abwasserkanäle, die gelegentlich auch mal vom Müll etwas verstopft sind und über die Ufer treten können.

Wenn Stadterkundung, dann richtig. Also erst mal ab auf den Hauptmarkt Makola. Der ist riesig und man kann sich leicht verlaufen. Das Angebot ist ebenfalls riesig, insbesondere was Klamotten und getrockneten oder geräucherten Fisch anbelangt. Mit ein wenig Geduld beim Suchen dürfte sich dort wirklich alles finden lassen, was man irgendwie gebrauchen kann. Vielleicht abgesehen von Sonnencreme.

Nicht der Markt, aber immerhin der Indepence Arch.

Ebenfalls spannend: Riesige, lebende, schwarze Weinbergschnecken, denen es jedoch offensichtlich in der prallen Sonne nicht sonderlich gefällt, ebenso wie den Krabben. Die Schweine und Kühe, deren Füße ebenfalls in der Mittagshitze vor sich hin schmoren, können sich ja nicht mehr beschweren. Das übernimmt in dem Fall die eigene Nase. Zum Glück sind solche Angebote eher die Ausnahme.


Damit jetzt kein falscher Eindruck entsteht: Der Markt ist toll und ich hatte richtig Spaß dort: „Hi Obruni, how are you?” – “Fine,how are you?” – “Fine, too. What’s your name?“ –“Chris, nice to meet you.” -  „Where are you from?“ – “Germany.” - „Ah, I love Germany! You want to buy some clothes?”  - “No, thanks.” – “Come and see!” – “No, thank you, I don’t need them. But you could you tell me, where I can find pineapples?” – “Hm, let me think… maybe in this direction?” – “Ok, thanks! See you, it was a pleasure to meet you” – “See you, goodbye!”

Das Haus der FES Ghana.
Überhaupt habe ich bisher die Erfahrung gemacht, dass die Ghanaer sehr hilfsbereit sein können: Angefangen von der Frau, die dich im Internetcafé warnt, auf deine Tasche aufzupassen bis hin zum TroTro (klapprige Minibusse, die hier das Rückgrat des „ÖPNV“ bilden, dazu demnächst mehr), das mich Abends mal eben kostenlos zwei Stationen mitnimmt. 

Praktikum: Check. Am ersten kompletten Tag an diesem Montag konnte ich gleich mal einem Meeting mit den Resident Directors der übrigen Stiftungen mit dem deutschen Botschafter beiwohnen. Läuft, so kanns weiter gehen.

Den Blog werde ich im übrigen in den kommenden Tagen noch überarbeiten und verfeinern.

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